Kurzvita & Lieblingstool:
Dr. Isabell Osann
Gemeinsam Lernen, Gestalten, Transformieren

Lieblingstool: Design Thinking
Beispielmethode:
Semantische Analyse - für Klarheit und ein einheitliches Verständnis über den Projektauftrag bzw. die Design Challenge
Einsatz:
Besonders hilfreich zu Projektbeginn, wenn ein gemeinsames Verständnisbder Design Challenge fehlt und um den Blick zu weiten.
Ablauf:
• Schreiben Sie die Design Challenge in die Mitte eines Whiteboardsund unterstreichen Sie die einzelnen Bestandteile.
• Sie können pro Baustein auch eine andere Farbe wählen, um zu sehen worauf jeder Gedanke basiert.
• Beginnen Sie mit dem ersten unterstrichenen Bestandteil.
• Führen Sie ein Gespräch über alle Gedanken, Assoziationen, Meinungen oder Anekdoten, die den Teammitgliedern zu diesem Aspekt in den Kopf kommen. Halten Sie alles Gesagte als Mindmap auf dem Whiteboard fest.
• Gehen Sie zum nächsten Wortbaustein, wenn das Wichtigste zu einem Aspekt gesagt und notiert wurde.Es gibt hier kein richtig oder falsch. Sie brauchen sich auch auf keine abschließende Interpretation zu einigen.
• Achten Sie darauf, dass jedes Teammitglied zu Wort kommt und im Team ein erstes Verständnis dafür entsteht, welche Themen oder Nutzergruppen die Design Challenge bzw. Ihr Projektauftrag umfasst.
Dauer: je nach Thema und Teamgröße 20–60 min
Außerdem …
Wenn Sie am Ende mehr Fragezeichen im Kopf haben als vorher, waren Sie erfolgreich. Nutzen Sie die semantische Analyse als Basis, um die Feldforschung zu planen.
Welche Nutzergruppen schätzen Sie als besonders aufschlussreich ein?
In welche Themen wollen Sie tiefer eintauchen

Lieblingspraktik: Achtsamkeit
Beispielmethode:
Geführtes Leadership-Journaling
Einsatz:
Geführtes Leadership-Journaling nach Otto Scharmer, Theory U für Innehalten in komplexen, dynamischen Kontexten und Reflexion der eigenen Entscheidungen und Führungsstile.
Ziel: Ein (z.B. durch einen Coach) geführtes Journaling führt eine oder mehrere schreibende Personen durch einen selbstreflexiven Prozess, um tiefere Ebenen der Selbsterkenntnis zu erreichen und dieses Wissen mit konkreten Handlungen zu verbinden. Quelle: Presencing Institute, https://www.u-school.org/journaling, abgerufen am 03.06.2025, eigene Übersetzung.
Zeitbedarf: Mindestens 45 Minuten, wenn Sie alle Fragen einbeziehen. Rechnen Sie pro Frage mit ca. zwei Minuten Reflexionszeit.
Benötigte Ressourcen: Stifte, Papier und einen ruhigen Raum, der es ermöglicht, ohne Ablenkungen in einen Prozess der Selbstreflexion einzutreten. Als Coach / Reflexionspartner lesen Sie eine Frage nach der anderen vor; laden Sie die reflektierende(n) Person(en) ein, angeleitet durch die jeweilige Frage ein Journal zu führen. Gehen Sie die Fragen der Reihe nach durch. Gehen Sie zur nächsten Frage über, wenn Sie spüren, dass die Mehrheit der Gruppe bereit ist. Geben Sie den Teilnehmer:innen nicht zu viel Zeit. Es ist wichtig, dass sie in einen Fluss kommen und nicht zu viel nachdenken.
Geführte Journaling-Fragen:
1. Herausforderungen: Betrachten Sie sich selbst von außen, als ob Sie eine andere Person wären: Was sind die drei oder vier wichtigsten Herausforderungen oder Aufgaben, die Ihr Leben (beruflich und außer beruflich) derzeit bereithält?
2. Selbst: Schreiben Sie drei oder vier wichtige Fakten über sich selbst auf. Was sind die wichtigen Errungenschaften, die Sie erreicht, oder Kompetenzen, die Sie in Ihrem Leben entwickelt haben (Beispiele: Kinder großziehen; Ihre Ausbildung abschließen; ein guter Zuhörer sein)?
3. Aufstrebendes Selbst: Auf welche drei oder vier wichtigen Bestrebungen, Interessengebiete oder weniger entwickelten Talente würden Sie sich in Zukunft gerne mehr konzentrieren (Beispiele: einen Roman oder Gedichte schreiben; eine soziale Be wegung starten; Ihre derzeitige Arbeit auf eine neue Ebene bringen)?
4. Frustration: Was an Ihrer derzeitigen Arbeit und/ oder Ihrem Privatleben frustriert Sie am
meisten?
5. Energie: Was sind Ihre wichtigsten Energiequellen? Was lieben Sie?
6. Innerer Widerstand: Was hält Sie zurück? Beschreiben Sie zwei oder drei Situationen aus jüngster Zeit (in Ihrem Arbeits- oder Privatleben), in denen Sie eine der folgenden drei Stimmen bemerkt haben, die sich meldete und Sie daran hinderte, die Situation, in der Sie sich befanden, tiefer zu erforschen:
- Stimme des Urteils: schaltet Ihren offenen Geist ab (Herunterladen von Informationen statt Nachfragen/ Hinterfragen).
- Stimme des Zynismus: schaltet Ihr offenes Herz ab (sich zurückziehen, statt in Beziehung zu treten).
- Stimme der Angst: schaltet Ihren offenen Willen ab (Festhalten an der Vergangenheit oder der Gegenwart, statt loszulassen).
- Der Funke: Welche neuen Aspekte Ihres Selbst haben Sie in den letzten Tagen und Wochen wahrgenommen? Welche neuen Fragen und Themen tauchen jetzt in Ihnen auf?
7. Ihre Gemeinschaft: Wer bildet Ihre Gemeinschaft und was sind deren größte Hoffnungen in Bezug auf Ihre zukünftigen Wege? Wählen Sie drei Personen mit unterschiedlichen Perspektiven auf Ihr Leben und erkunden Sie deren Hoffnungen für Ihre Zukunft (Beispiele: Ihre Familie, Ihre Freunde, ein elternloses Kind auf der Straße ohne Zugang zu Nahrung, Unterkunft, Sicherheit oder Bildung). Was würden Sie sich erhoffen, wenn Sie in deren Schuhen stecken und Ihr Leben durch deren Augen betrachten würden?
8. Hubschrauber: Beobachten Sie sich selbst von oben (wie in einem Hubschrauber). Was tun Sie gerade? Was versuchen Sie in dieser Phase Ihrer beruflichen und persönlichen Situation zu erreichen? Stellen Sie sich vor, Sie könnten bis zu den letzten Momenten Ihres Lebens vorspulen. Schauen Sie nun auf Ihre Lebensreise als Ganzes zurück. Was würden Sie in diesem Moment sehen wollen? Welchen Fußabdruck möchten Sie auf dem Planeten hinterlassen? Wofür würden Sie von den Menschen, die nach Ihnen weiterleben, in Erinnerung behalten werden wollen? Schauen Sie von diesem (zukünftigen) Ort aus auf Ihre aktuelle Situation zurück, als ob Sie eine andere Person betrachten würden. Welchen Rat würden Sie geben? Fühlen und spüren Sie, was der Ratschlag ist, und schreiben Sie ihn dann auf.
9. Kehren Sie nun wieder in die Gegenwart zurück und kristallisieren Sie heraus, was Sie erschaffen wollen: Ihre Vision und Absicht für die nächsten drei bis fünf Jahre. Welche Vision und Absicht haben Sie für sich und Ihre Arbeit? Was sind einige wesentliche Kernelemente der Zukunft, die Sie in Ihrem persönlichen, beruflichen und gesellschaftlichen Leben erschaffen wollen? Beschreiben Sie so konkret wie möglich die Bilder und Elemente, die Ihnen dazu einfallen.
10. Loslassen: Was müssten Sie loslassen, um Ihre Vision Wirklichkeit werden zu lassen? Was ist das alte Zeug, das sterben muss? Was ist die alte Haut (Verhaltens weisen, Denkprozesse usw.), die Sie abstreifen müssen?
11. Saatgut: Was in Ihrem gegenwärtigen Leben oder Kontext liefert die Saat für die Zukunft, die Sie er schaffen wollen? Wo sehen Sie den Anfang Ihrer Zukunft?
12. Prototyping: Wenn Sie in den nächsten drei Monaten einen Prototyp für einen Mikrokosmos der Zukunft entwerfen würden, in dem Sie „das Neue“ entdecken können, indem Sie etwas tun, wie würde dieser Prototyp aussehen?
13. Menschen: Wer kann Ihnen helfen, Ihre höchsten Zukunftsmöglichkeiten zu verwirklichen? Wer könn ten Ihre wichtigsten Helfer und Partner sein?
14. Aktion: Wenn Sie das Projekt in Angriff nehmen würden, Ihre Absicht in die Realität umzusetzen, welche praktischen ersten Schritte würden Sie in den nächsten drei bis vier Tagen unternehmen?
15. Reflexion über die Praxis: Fragen Sie, ob die schreibende(n) Person(en) etwas über den Prozess (nicht die Inhalte) teilen möchte(n). Erwähnen Sie noch einmal, dass das Führen eines Journals privat ist und dass jeder Teilnehmer entscheidet, was er oder sie mitteilen möchte.
Prinzipien: Journaling ist ein persönlicher Prozess. Bitten Sie die Teilnehmer:innen niemals, ihre Journaling- Notizen in der Öffentlichkeit zu teilen. Nach Beendigung einer Journaling-Übung können Sie eine Gelegenheit schaffen, über die Erfahrung des Journalings zu reflektieren.
Kurz-Vita von Dr. Isabell Osann
Sie ist Bildungsinnovatorin und agiler Lerncoach und beschäftigt sich mit Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), Kreislaufwirtschaft und Achtsamkeit in der Hochschullehre.
Mit der Transformationswerkstatt Osann begleitet sie Individuen und Teams in Fragen der Innovation, Führung und nachhaltigen Entwicklung. Schwerpunkte der Transformationswerkstatt Osann sind systemische Persönlichkeits- & Organisationsentwicklung.
